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Ein gutes Erbe hinterlassen

Enkeltauglichkeit in der Praxis

Die Firma Duschl aus Rosenheim ist beim Kulturhof zuständig für die technische Gebäudeausrüstung. Dabei wird natürlich auf enkeltaugliche Systeme und Lösungen gesetzt. Was das genau heißt und wie das in der Praxis aussieht, hat Diplom Ingenieur Christian Moderegger im Interview erklärt.

Diplom Ingenieur Christian Moderegger im Interview

 

Was genau war die Aufgabe von Duschl beim Bau des Kulturhof?

Unser Unternehmen ist ein Planungsbüro für technische Gebäudeausrüstung mit Sitz in Rosenheim. Wir sind Inhaber geführt und beschäftigen derzeit rund 130 Mitarbeiter. Eigentlich hätten wir jetzt 50-jähriges Jubiläum, aufgrund von Corona konnten wir leider nicht ganz so feiern, wie wir es gerne gewollt hätten. Aber das holen wir nächstes Jahr nach! Ich selbst bin seit 2005 bei Duschl, wir haben viele Mitarbeiter, die schon sehr lange da sind, manchmal sogar in 2. Generation. Das ist für mich auch eine Art von „Nachhaltigkeit“, dass man nicht einfach am Profit orientiert ist, sondern auch an einer gesunden Mitarbeiterstruktur und somit langfristig wirtschaftlich aufgestellt ist.

Unser Anspruch ist erstmal zu verstehen, was der Bauherr eigentlich möchte. Dabei geht es nicht darum, jemanden etwas aufzudrücken, so nach der Art „das ist unser Unternehmensleitbild und das wollen wir jetzt einfach überstülpen“, sondern erstmal gehen wir so vor, dass klar wird, was der Bauherr überhaupt als Ziel hat: Was will er und was braucht er. Erst dann bringen wir unsere Expertise so mit ein, dass wir individuell beraten. Und zwar so, dass wir nicht einfach jeden Wunsch des Bauherrn umsetzen, sondern ehrlich sagen, was sinnvoll ist und was nicht und gegebenenfalls passende Alternativen vorschlagen.

Kommt selbst aus Berchtesgaden - Christian Moderegger auf der Baustelle

 

Was hat Sie bei diesem Projekt besonders gereizt?

Als wir gefragt wurden, ob wir an der Planung des Projektes mitwirken wollen, fand ich es sehr spannend, so ein tolles Projekt direkt vor der Haustür zu haben, ich komme ja selbst aus Berchtesgaden. Es hat mich schon gereizt, zu sagen, ok, wie kann ich jetzt meinen Beitrag in die Region mit einbringen, dass da auch was Gutes entsteht, bei dem man einfach selbst mitwirken kann. Das ist das Wichtigste, dass man direkt so einen Zugang und eine Motivation zu einem Projekt hat, denn dann wird das auch was.

Die Photovoltaikanlage wird montiert. Im Hintergrund der Hochkalter.

 

Welche Herausforderungen gab es für Sie?

Das waren mehrere Themen: Auf der einen Seite war dieser Holzbau mit den architektonischen Ansprüchen, auf der anderen Seite die komplexe Technik dahinter, der Brandschutz und die Funktionalität. Man will die Technik ja nicht sehen, aber alles muss gut funktionieren. Als Ingenieur hat man den Anspruch, dass das Projekt auch langfristig betreibar bleibt, das heißt: Betriebskosten optimiert gestalten. Genauso wichtig ist es aber auch, dass, wenn in etwa zehn Jahren die ersten Umbauten kommen, man einfach eine gute Grundstruktur der technischen Versorgung hat, auf der man aufbauen und nachrüsten kann und nicht die Technik noch mal rausreißen und erneuern muss.

Also auf der einen Seite ist es Optik, auf der anderen Seite sind es die gut überlegten Erstinvestitionen, die Betriebskosten dürfen nicht die Neubaukosten auffressen. Es geht nicht um günstige Investitionen, wir wollen verhindern, dass nachher hohe Wartungskosten entstehen. Das heißt, für uns war wichtig zuschauen, wie wir wirklich „enkeltauglich“ dieses Projekt gestalten können, auch für die kommenden Jahre. Investitionen sowie Wartungs- und Unterhaltskosten müssen sich die Waage halten. Und das wurde beim Kulturhof umgesetzt, lieber jetzt mehr in gute Sachen investieren als nachher hohen Wartungskosten ausgesetzt zu sein.

Und letzten Endes geht es darum, dass so ein Projekt Strom braucht und wir uns fragen: Wie kommt der Strom ins Haus? Da braucht man eine Trafostation, eine solche kann man sich selbst kaufen oder bei den Bayernwerken mieten oder leasen.

 

Auf was haben Sie besonders geachtet?

Wichtig war natürlich, dass wir auch „grüne“ Aspekte beachtet haben. Stichwort: Photovoltaik-Anlage. Es war schnell klar, dass wir eine auf dem Dach installieren werden und alle verfügbaren Flächen dahingehend ausreizen. Hierfür haben wir tatkräftige Unterstützung der Elektromechanik-Firma Meisl bekommen.

Das Besondere wird zudem auch die Kombination der Energiesysteme sein: wir sind gerade dabei, die Photovoltaik-Anlage mit der Elektromobilität zu kombinieren, es werden ja Ladestationen in das Parkdeck mit integriert werden. Und wir bereiten einen Batteriespeicher vor: Wenn man in einem Jahr feststellt, dass die PV-Anlage Überschussproduziert, können wir Strom ins Netz zurück speisen. Man könnte dann diese Energie auf einem Energiespeicher zwischen speichern und wenn wieder höherer Bedarf besteht, aus dem Speicher entnehmen. Aber um das alles konkret tatsächlich umzusetzen, brauchen wir erstmal die Betriebsdaten von in einem Jahr.

Tatkräftige Unterstützung der Elektromechanik-Firma Meisl

 

Was bedeutet für Sie „Enkeltauglichkeit“?

Den Nächsten ein gutes Erbe zu hinterlassen. Das sagt für mich alles: Region, Werte, Kultur. Und dass man in der Landschaft nicht zu viel kaputtmacht, sich enkeltauglich aufstellt. Und dass hier die zukünftigen Generationen gut bezahlte Arbeit finden.

Blick vom Kulturhof auf den Watzmann

 

Was bedeutet für Sie „Gemeinschaft“?

Gemeinschaft ist für mich „gemütlich beieinandersitzen“. Was man natürlich jetzt in den Corona Zeiten sehr vermisst hat. Das Thema „Begegnung“ ist dadurch so wichtig geworden. Aber der Ursprung von Gemeinschaft ist für mich, mit Menschen an einem Tisch zusammen zu sein und sich auszutauschen. Und ich hoffe, dass das bald alles wieder so stattfinden kann.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Branche?

Oh, eine spannende Frage: Ich wünsche mir, dass wir mehr Nachwuchs an Jung-Ingenieuren und Fachkräften bekommen. Wir stellen gerade fest, dass auch die Hochschulabsolventen in den technischen Berufen massiv zurückzugehen. Ich wünsche mir, mehr Lehrlinge und Azubis, die wir selbst für unseren Betrieb ausbilden können. Ich selbst habe bei Duschl als Praktikant angefangen und bin jetzt Diplom Ingenieur. Hier ist alles möglich, ohne Einschränkung.

Ich würde mir wünschen, dass die technischen Berufe auch wieder eine Relevanz bekommen, auch für die Gesellschaft. Dass bereits in der Schule Themen wie Werken, Handwerken und Kreativität einen Stellenwert bekommen und gute Leute „nachwachsen“.

Wir entwickeln unsere Lehrlinge und die jungen Mitarbeiter genau an solchen Projekten wie dem Kulturhof weiter, wir achten darauf, dass wir sie fördern und fordern und eine Verbundenheit zu diesem Projekt entsteht sowie eine fachlich technische Entwicklung der Mitarbeiter stattfindet. Das zahlt auch auf unsere Unternehmensentwicklung ein und zeigt unsere Innovationen auf. Und wir hoffen natürlich, dass wir in Zukunft unsere Mitarbeiter-Workshops in den Seminarräumlichkeiten des Kulturhofs abhalten können.

 

In einem Jahr möchten Sie sagen, dass …?

…es ein bäriges Projekt war! Es ist schon jetzt ein superschönes Projekt, bei dem alles möglich ist. Bei Herrn Wimmer hat es erstmal keine Grenze gegeben, jeder konnte etwas in den Prozess und in die Vision mit einbringen, das ist selten und macht Spaß.

 

 

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